Weißer Trüffel im Piemont

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Für mich gibt es einen ganz speziellen Ort, den ich mit kulinarischen Genüssen verbinde – das Piemont. In dem kleinen Örtchen Sinio im Langhe mieten wir uns in ein Appartement auf einem kleinen Weingut, der Cascina Sant’Eufemia, ein. Die beiden Inhaber Chiara und Paolo kümmern sich sehr herzlich um ihre Gäste. Obwohl man ein Appartement mit Küche bewohnt, ist das Frühstück inklusive und dazu auch noch toll. Das ist in Italien nicht immer so, denn bekanntlich gehören die Italiener nicht zu den großen Frühstückern. Es gibt hier nicht nur einen Cappuccino und ein Cornetto (was übrigens auch sehr lecker ist!), sondern Brot, Mortadella, verschiedene Schinken, Käse, Honig und jeden morgen ein frisch gebackenes Gebäck. Natürlich alles aus der Region bzw. von befreundeten Bauern. Wenn die Zeit es zulässt, gönnen die beiden sich gemeinsam mit ihren Gästen noch einen Kaffee. Bei diesem morgendlichen Ritual werden dann die Tagesaktivitäten besprochen und die vielen Profi-Tips nehmen wir immer gerne entgegen. Vor allem wenn es um das Thema Abendessen geht, sind die beiden die richtige Adresse. Da kann man blind vertrauen. Sogar die Tischreservierung nehmen sie einem ab.

Wie schon erwähnt, legt man im Piemont Wert auf die Verarbeitung regionaler Produkte. Übrigens: In Bra wurde die Slow Food Bewegung durch Carlo Petrini ins Leben gerufen. Das bedeutet jetzt nicht, dass jedes Restaurant im Piemont zu Slow Food gehört. Das ist aber auch nicht erforderlich, da dies in der Region einfach zur Grundeinstellung der Menschen gehört.

Nun hatten wir es endlich mal geschafft nicht im Sommer sondern im Oktober (2013), und damit zur Trüffelsaison, nach Sinio zu reisen. Also war auch völlig klar, dass wir uns mit diesem Thema einmal näher befassen. Die Stadt Alba liegt nur 20 Autominuten von Sinio entfernt und ist somit ein schnelles Ziel, dass man immer mal wieder im Verlauf eines Aufenthaltes besucht. Hier findet jährlich die größte Trüffelmesse statt. Auf dieser Messe geht es in erster Linie um Trüffel und im Speziellen um den weißen Trüffel. Exemplare von mehreren hundert Gramm gehen hier für einige Tausend Euro über die Theke. Natürlich fehlen aber auch nicht die anderen kulinarischen Leckereien des Piemont wie Wein, Käse, Schinken, Salumi (das ist kein Tippfehler!) und Honig. Wenn man erstmalig die Messehalle betritt, wird man regelrecht vom Trüffel erschlagen. Ich hätte nie gedacht, dass Trüffel so unangenehm riechen kann. Man braucht ein paar Minuten, bis man sich an den starken, ja schon fast stechenden muffigen und erdigen Geruch gewöhnt hat. So lange man die Halle nicht verlässt ist alles gut. Wenn doch, beginnt man mit der Gewöhnung wieder von vorne. 😉

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Gucken ist zwar schön aber wir wollten auch mal schmecken. Man kann auf dieser Messe alles probieren, außer Trüffel, was bei den Preisen absolut verständlich ist. Zwei Jahre zuvor hatten wir auf einem Fest in Sinio durch Chiara und Paolo einen Trüffelbauern kennengelernt, der etwas außerhalb des Ortes einen Trüffelhof mit privatem Restaurant betreibt – das Il Trifulau. Man kann dort auf Bestellung ein Trüffelmenü erleben. Genau das brauchen wir! Chiara hat die Reservierung für uns vorgenommen und wir haben uns auf einen interessanten Abend eingestellt. Der begann schon bei der Anreise. Man fährt eine kurvenreiche Strecke und irgendwo geht ein sehr abenteuerlicher Feldweg ab. Den fährt man ganz durch und man landet auf dem Trüffelhof. Sofort wird man von den hofeigenen Trüffelhunden und dem Inhaber freudig begrüßt. Nach dem betreten des Restaurant, was einen wohnlichen Charakter hat, begrüßt uns auch die Dame des Hauses, die für die Küche zuständig ist. Sie erklärt uns die Menüfolge, die typisch für das Langhe ist. Das schöne im Piemont bzw. im Langhe ist, dass man sich nicht durch Speisenkarten quälen muss. Es wird gesagt was es gibt und fertig. Keine Qual der Wahl und es ist sofort klar, dass hier nur frische Sachen auf den Tisch kommen.

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Antipasti: Carne Cruda (mit dem Messer von Hand gehacktes Rindfleisch), Fonduta (eine Art Käsefondues), Spiegelei.
Pasta: Tajarin (hausgemachte dünne Eiernudeln, typisch für das Piemont).
Secondo: Scaloppine.
Dolce: zwei verschiedene Nusskuchen (ebenfalls typisch Piemont, denn Haselnuss-Plantagen gibt es hier überall).

 

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Ein bisschen Qual kam aber dennoch auf uns zu. Der Patrone kam mit einem Korb voller weißer Trüffel und wir sollten uns nun einen für unser Menü aussuchen. O.k., totale Überforderung! Wir haben keine Ahnung welche Menge an Trüffel für ein Essen benötigt wird. Wir vertrauen und liegen, wie sich am Schluss heraus stellte, damit sehr gut. Die beiden Trüffelchen werden gewogen und man nennt uns den Preis – 30,00 €. Noch schnell einen hauseigenen Barbara d’Alba dazu und dann ging es los. Die Antipasti wurden hintereinander gereicht, denn es wurden alle Vorspeisen serviert. Übrigens auch typisch Piemont. Mit einer kleinen Pause dazwischen folgen die weiteren Gänge. Der Trüffel wurde dann direkt am Tisch auf die Gerichte gerieben. Außer bei der Dolce – hier wurde auf den Trüffel verzichtet.   kocheule_trüffel_4_wmBei der Speisenauswahl handelte es sich um Klassiker der piemonteser Küche. Alle waren perfekt geeignet um den Trüffelgeschmack hervorzuheben. Der Trüffel schmeckt sehr speziell und ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Er ist sehr dominant und der moderige Geschmack und Geruch ist sicherlich nicht etwas für jeden. Ein großer Fan des Trüffels werde ich daher leider nicht werden. Was man an Trüffel aus heimatlichen Restaurants kennt, auch wenn es der gute Italiener in der Stadt ist, hat mit dem weißen Trüffel und dieser Verarbeitung nichts gemein. Auch muss ich sagen, dass für mich persönlich das Gewese um den weißen Trüffel nicht so ganz nachvollziehbar ist. Hier passt perfekt der Spruch „Geschmack ist relativ“. Jeder soll es probieren und sich seine eigene Meinung bilden. Nur weil etwas teuer und von vielen Menschen heiß begehrt wird, muss es noch lange nicht den persönlichen Geschmack treffen. Ach ja, eine Info möchte ich Euch auch noch geben. Dieser Abend, mit einem wirklich tollen Essen, welches ausschließlich mit regionalen Produkten und viel Herzblut gekocht wurde, hat für 2 Personen inkl. Trüffel und Wein 77,00 € gekostet. Da möchte man bei uns eigentlich gar nicht mehr essen gehen.

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Ich kann einen Aufenthalt im Piemont nur jedem ans Herz legen, der gerne genießt. Landschaftlich wunderschön, kulinarisch ein Erlebnis. Und das Beste daran, alles auf eine nette Art und Weise. Kein überkandidelter Schnickschnack, sondern einfach nur ehrliche gute Küche. Und um das Thema Wein braucht man sich auch nicht zu sorgen. Für mich das Beste, was Wein zu bieten hat (und damit meine ich nicht den Barolo).

©Kocheule

 

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Ein Kommentar

  1. Klingt nach dem perfekten Urlaub für mich (und das NICHT wegen den Trüffeln).
    Ich liebe es, außerhalb der ausgetretenen Touristenpfade Land, Leute und die dort heimische Küche kennenzulernen. Sich dabei auch mal ‚blind‘ auf die Gastgeber einzulassen hat mir schon die unglaublichsten kulinarischen Genüsse beschehrt *träum.
    Werde deinen Links mal etwas ’nachspüren‘ und wer weiss…..

    Danke für’s Erinnerungen wachrufen *lächel.

    Gefällt 1 Person

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