The English Riviera – Teil 6 und The End

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Bezüglich Mittags-, Kaffee- oder Teepause gefällt mir eines in England besonders gut. Diese vielen kleinen Tea Rooms, Cafés und Delis. Oft gibt es darin nicht mehr als 3 oder 4 Tische. Dafür ist das Warenangebot in der Regel immer hausgemacht und nicht selten Bio und mit lokalen bzw. regionalen Erzeugnissen. Das Angebot umfasst im allgemeinen typische Lunch-Gerichte wie Sandwiches (kalt und warm), Pasties und Suppen sowie die süße Abteilung, bestehend aus verschiedenen Kuchen und dem klassischen Cream Tea (Scones). Alleine das Lesen der Tafeln macht schon viel Spaß. Häufig kommt noch eine sehr ansprechende Auslage in der Theke oder Schaufenster hinzu. Die Entscheidung fällt da oft nicht leicht. Wie ich zu meiner Beruhigung feststellen konnte, geht das jedoch auch den Einheimischen nicht anders. Es gibt immer soviele Variationen, dass man einfach mehr Zeit für die richtige Wahl benötigt und das ist hier auch völlig in Ordnung. Die Betreiber dieser Locations sind immer voll bei der Sache. Man merkt, dass sie Freude an dem haben was sie tun. Und so hat auch automatisch der Gast Freude. Standard in diesen Restaurationen ist, dass man an der Theke sein Essen und Trinken bestellt und gleich bezahlt. Es wird dann alles schön angerichtet und an den Tisch gebracht. Auch das Abräumen übernimmt der Service.

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Zum Abschluss meines Reiseberichts möchte ich drei Lokalitäten, völlig unterschiedlicher Art, besonders lobend erwähnen. Fangen wir mal mit einem Tea Room an. Direkt am Hafen von Torquay befindet sich der Burridge’s Tea Rooms. Dieser sogar schon etwas größere Tea Room (ca. 6 Tische) ist freundlich und modern eingerichtet. An den Wänden findet man alte Bilder von der Stadt Torquay. Die Teeauswahl ist hier schon etwas exquisiter als im „normalen“ Tea Room. In der Kanne schwimmt der lose Tee und zum abgiessen dient das altmodische Tassensieb. Die Auswahl der Speisen ist klein, dafür das Gebäck aber immer schön frisch.

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Bekannt ist das Burridge’s für seinen Cream Tea. Hier bekommt man zwei warme Buttermilchscones, entweder Plain oder Fruit (mit oder ohne Rosinen). Dazu clotted Cream und selbstgemachte Erdbeermarmelade. Das Ganze wird auf einer Etagere serviert. Und ich kann hier bestätigen: Es sind die besten Scones. Der Preis: 5,00 GBP pro Person. An dieser Stelle einen schönen Gruß an die Bonner Teestuben und Cafés – so müssen Scones!

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Nun schwenken wir zum Abendessen. Das Hole in the Wall ist der älteste Pub in Torquay. Erstmalig wurde er ca. 1540 erwähnt. So genau weiß das niemand, wenn es um solche Jahresangaben geht. Der Pub hat sich während unseres Aufenthaltes zu unserem Stammlokal entwickelt, in dem wir nach dem Essen auf dem Weg ins Appartement noch ein Pint getrunken haben. Bedingt durch das Alter des Hauses sind die Decken sehr niedrig und mit Holzbalken versehen. Das bringt schon mal einen Großteil an Gemütlichkeit. Die Einrichtung ist sehr maritim. In einer Ecke steht eine Art Capt. Hook, Steuerräder hängen an den Wänden, Schiffsmodelle findet man in den Ecken und sonstiges maritimie Dekomaterial. Ich finde das großartig, da ich ein totaler Schiffsfan und alles drum herum bin. Die Bierauswahl im Pub, alles vom Faß, ist relativ groß. Viele der Biere sind von lokalen Brauereien aus Devon. Darüber hinaus gibt es weitere englische und internationale Biere sowie Cider. Wein wird in 200ml Fläschen angeboten und natürlich Spirituosen und antialkoholische Getränke. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag gibt es ab 21:15h live Music.

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Zum Pub gehört auch ein Restaurant, welches sich im hinteren Bereich befindet. Durch die räumliche Abtrennung bekommt man vom Kneipentreiben im vorderen Pub nichts mit. Eine Tischreservierung ist empfehlenswert, da der Laden ganz schön brummt. Die Speisenkarte enthält die typischen Pubgerichte (Steak and Ale Pie, Fish and Chips, Buger). Mit Bezug auf die Küstenlage gibt es auch einige Fischgerichte und etwas aufwändigere Fleischgerichte. Wir entscheiden uns für die Chef’s Specials: Für mich gibt es das Fish Special Trio bestehend aus Steinbutt, Seezunge und Garnelen. Für meinen Lieblingsmann steht das Lamp Rump auf dem Plan. Geschmortes Lammfleisch in einer Roten Johannisbeersauce. Als Beilage gab es für beide Gerichte verschiedene Gemüse und Chips (Pommes Frites).

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Der Fisch war schön in Butter gebraten. Mit etwas Zitrone abgeschmeckt war das ein toller Fischteller für einen fairen Preis in Höhe von 17,95 GBP. Das Lamm für meinen Lieblingsmann war der Hammer. Ein absolut zartes und butterweiches Stück Fleisch, was mit ordentlich Sauce versehen war. Eigentlich sind wir beide nicht so die Saucenfans (ertränken kann man schließlich alles), jedoch war diese Sauce zu gut, um weniger davon auf den Teller zu bringen. Für diese wirklich ordentliche Portion wurden 15,95 GBP verlangt.

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Ausnahmsweise haben wir hier mal auf die Vorspeisen verzichtet und uns für Desserts entschieden. Applecrumble mit Vanillesauce und ein Stück Chocolate Fudge Cake mit Vanilleeis. Eine typische Auswahl, die für die Kategorie des Restaurants völlig in Ordnung war. Der Applecrumble war vorbereitet und wurde dann erhitzt und mit warmer Vanillesauce serviert. Der Fudge Cake hielt was er versprach: viel süß, viel Fudge, viel Schokolade. Aber wenigstens einmal im Urlaub muss sowas sein. Ich kann den Pub und auch das Restaurant ruhigen Gewissen empfehlen. Es gibt hier mehr als gutes Pub Food und das alles in einem total gemütlichen Ambiente.

Bilderquelle: www.orangetreerestaurant.co.uk
Bilderquelle: http://www.orangetreerestaurant.co.uk

Und nun kommen wir zum krassen Gegenteil, nämlich dem The Orange Tree Restaurant. Es befindet sich gleich um die Ecke vom Hole in the Wall in einer Straße, durch die man nicht zwangsläufig geht in Torquay. Also, man muss wissen wo es ist. Wir wussten es, TripAdvisor sei Dank. Der deutsche Koch Bernd Wolf hat dieses Restaurant 2007 vom vorherigen Inhaber übernommen und betreibt es seit dem mit seiner Frau Sharon. Das Restaurant hatte seinerzeit schon einen guten Ruf und diverse Auszeichnungen erhalten. Das Ehepaar Wolf hat das  erfolgreich fortgesetzt. Man kann hier von einem hochklassigen Restaurant sprechen, in dem es ausschließlich von lokalen Erzeugern Fleisch, Fisch und Käse gibt. Auf der letzten Seite der Speisenkarte sind alle Farmen bzw. Erzeuger aufgelistet. Die Speisenkarte: traditionell lokal mit einem modernen Einfluss, hochwertig verarbeitet. Das Orange Tree gibt sich auch optisch hochklassig. Mit weißen Tischdecken eingedeckte Tische, dezente Deko, helle Wände, dunkle Lederstühle. Untermalt von Piano-Barmusik, sitzt man hier in einem sehr angenehmen Ambiente – etwas edler aber nicht überkandidelt. Wohlfühlen fällt hier leicht. Den Service übernimmt die Inhaberin Sharon mit einer Mitarbeiterin. In der Küche gibt es nur den Chef sowie einen weiteren Koch. Dieses vierer Team hat die Lage voll im Griff. Um jeden Tisch wird sich sehr liebevoll gekümmert.

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Kommen wir zur Speisenwahl. In der Vorspeise gibt es:
1. Goats Chesse Parcel with Pear Chutney – Ziegenkäse in knusprigen Filoteig mit Williams Birne Chtuney, Quittengele und gerösteten Pecannüssen.
Der Ziegenkäse war cremig und nicht zu kräftig. Das Ganze im Filoteig zu backen statt klassisch mit Panade zu frittieren gefiel mir sehr gut. Das Birnen Chutney war die perfekte Ergänzung dazu. Preis: 7,50 GBP

2. Brixham Crab Bisque with King Scallops – Krabbencremesuppe mit Jakobsmuscheln abgeschmeckt mit Tomaten, Fenchel und Estragon.
Die berühmte Brixham Crab erinnert mich geschmacklich sehr an Hummer. So auch diese Suppe, die diesen kräftigen leicht süßlichen Geschmack hat. Die Jakobsmuscheln wurden in der Pfanne sautiert und in die Suppe gegeben. Im Rheinland sagt man zu sowas „dat is e flott Süppsche“, also sehr lecker. Preis: 9,50 GBP

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Beim Hauptgang wählen wir einmal Fisch und einmal Fleisch.
1. Filet of Brill with Scallops – Filet vom Plattfisch und Jakobsmuscheln, sautiertem Pok Choi, in einer Sauce mit Lemongras, Ingwer und Corriander.
Der Fisch und die Jakobsmuscheln waren ganz saft in der Pfanne gebraten und damit absolut auf dem Punkt. Die Sauce war perfekt abgestimmt und brachte mal eine andere Geschmacksrichtung auf den Teller. Dazu gab es noch einen Gemüsemix bestehend aus Selleriepüree, Möhren und Weißkohl. Das Gemüse war noch knackig und mit Muskat abgeschmeckt. Das sonst in England erforderliche nachwürzen wäre hier sträflich! Preis: 21,00 GBP

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2. Mein Lieblingsmann entschied sich für Pork Tenderloin with Black Pudding and Rosemary Apples – Schweinefiletmedaillons mit Black Pudding und knusprigen Schalotten, Rosmarin Apfelspalten und BAYS (Brauerei aus Torquay) Cider Hollandaise.
Man kann dazu auch sagen: Geschmacksexplosion. Das Fleisch war wunderbar zart und rosa gebraten. Der Black Pudding, was nichts anderes als eine Art Blutwurst ist, schmeckt in der Kombination hervorragend. Dann noch die Schalotten, die Apfelspalten und die beiden Saucen dazu  – unbeschreiblich. Schade, dass man Geschmack nicht übers Internet schicken kann. Preis: 18,50 GBP

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So leid es uns auch getan hat, ein Nachtisch ging einfach nicht mehr. Als kleinen Ersatz bestellten wir noch zwei Espressi. Dazu gehörten dann noch selbst gemachte Pralinen, womit wir dann doch noch etwas Süßes zum Schluss bekamen.

Das Orange Tree Restaurant ist das kulinarische Highlight unseres Urlaubs. Die Athmosphäre, der Service die Küche – für mich einfach nur perfekt. So stelle ich mir gehobene Gastronomie vor. Da unser Name bei der Reservierung für unser Outing als Deutsche sorgte, wollte uns die Inhaberin unbedingt noch ihren Mann und Chefkoch Bernd Wolf vorstellen, der aus Franken stammt. Er freute sich über den Besuch aus Deutschland und einen kurzen Plausch – wir übrigens auch. Ich wünsche den beiden für die Zukunft im Orange Tree weiterhin viel Erfolg!

Damit wären wir nun am Ende der Reise angekommen. Im Gepäck habe ich wieder viele neue Geschmäcker, die ich Zuhause mal austüfteln werde. Das ein oder andere Koch- und Backbuch wurde auch gekauft, um meiner deutschen Küche einen englischen Touch geben zu können. Über die daraus entstehenden Ergebnisse und Rezepte könnt Ihr dann in meinem Blog lesen. Also, dran bleiben!

©Kocheuele

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