Kesselskooche – Rheinische Tradition in Höchstform

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Ich glaube, kaum ein Gericht hat so viele unterschiedliche Bezeichnungen wie der Kesselskooche. Andere Bezeichnungen sind unter anderem Döppekooche, Kesselsknall, Kesselsbrütche oder Dibbelabbes. Es handelt sich dabei um ein typisches arme Leute Essen aus der guten alten Zeit im Rheinland. Jede Region oder schon fast jeder Ort, hat ihre/seine eine eigene Machart. Man kann es vielleicht als eine Art Kartoffelauflauf umschreiben. Immer zu St. Martin kam er auf den Tisch, da für die Martinsgans kein Geld da war. Heute ist das in der Regel zwar anders, aber zum Glück erinnert der ein oder andere sich an die Tradition und hält es trotz eingekehrtem Wohlstand mit selbiger.

Bei uns Zuhause gab es nie eine Martinsgans. Das lag daran, dass mein Bruder und ich trotz des Verkaufs hunderter Martinslose unseren Eltern oder Großeltern jahrelang nur Nieten andrehten, aber auch an der Tatsache, dass unsere gesamte Familie regelrecht Puttes jeck war. Ja, bei uns heißt das gute Stück Puttes. Der große Puttesmeister dabei ist meine Mutter, die das Rezept von ihrer Oma übernommen hat. Wenn die Saison beginnt, laden sich sämtliche Freunde immer gerne zum Puttes-Essen bei ihr ein. Da gehen schon einige Kilo an einem Abend über den Tisch.

Mit der Zeit wurde natürlich manche Zutat hinzugefügt oder eine andere durch bessere Qualität ersetzt. Das bringt der Fortschritt so mit sich. Der Speck wurde magerer und von Mettwurst war Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts mangels Geldmangel keine Spur. Die Basis blieb jedoch über all die Jahrzehnte erhalten und mittlerweile mache ich es genau so – sehr zur Freude unserer Freunde.

Ein Puttes ist kein Gericht für 2 Personen. Klar kann man den auch in klein machen, aber irgendwie wird der in großen Mengen besser. Schön finde ich auch, dass sich daraus immer ein kleines Event ergibt. Da „schweres Gerät“ zum Einsatz kommt, bietet mein Lieblingsmann seine Hilfe an. Und weil man eine Backzeit von ca. 3 Stunden und noch etwas Zeit für die Vorbereitung einplanen muss, braucht man  min. einen halben freien Tag, damit abends der Puttes auf dem Tisch steht. Also, bietet sich der Samstag oder Sonntag an. Und es ist doch immer nett, wenn man an einem freien Tag gemeinsam eheliche Pflichten ausüben kann.

Der Puttes wird, je nach örtlicher oder Familientradition, noch durch Apfelkompott oder Rübenkraut (Zuckerrübensirup) ergänzt. Mein Favorit: nix – einfach nur pur Puttes.

Und nun plaudere ich mal ein lang gehegtes Familiengeheimnis aus. Also, pssst! Nicht weitersagen. 😉

Zutaten für 4 – 6 Personen:

  • 3 kg Kartoffeln
  • 3 große Zwiebeln
  • 200 g gewürfelter Speck (durchwachsen)
  • 100 g Räucherschinken (dünn geschnitten)
  • 4-5 Mettwürstchen
  • 3 Eier
  • 4 Brötchen (alte)
  • Pfeffer
  • Salz
  • neutrales Öl (z.B. Raps oder Sonnenblume)
  • wer mag: Rosinen

Zubereitung:

  • Die Kartoffeln schälen und die Zwiebeln abziehen. Die Mettwürste in dünne Scheiben schneiden. Die Brötchen in Wasser einweichen.

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  • Die Kartoffeln und die Zwiebeln reiben, vorzugsweise mit der Küchenmaschine. Die Brötchen gut ausdrücken und mit den Eiern zu den geriebenen Zutaten geben und gut vermengen. Wer Rosinen mag, vermengt diese auch gleich mit. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dran denken: Schinken und Speck bringen auch noch etwas Salz mit.

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  • Den Backofen auf 150°C Heißluft vorheizen. Einen Bräter auf dem Herd erhitzen. Etwas Öl in den heißen Bräter geben und auf dem Boden verteilen. Den Boden mit dem Schinken auslegen. Eine Lage Teig verteilen und darauf die Mettwürstchen geben. Wieder eine Lage Teig und den restlichen Schinken verteilen. Zum Abschluß noch mal eine dünne Lage Teig. Oben drauf etwas Öl geben.

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  • Bei 150°C ca. 1,5 – 2 Stunden backen. Dann den Ofen auf 220°C hoch drehen und nochmal backen bis eine schöne Kruste auf dem Puttes ist (ca. 20-30 Min.). Garprobe: Wenn man auf die Kruste des Puttes klopft, sollte es sich hohl anhören.

©Kocheule

 

 

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